Erholung des Schweizer Tourismus setzt sich fort – Wachstum trotz Ukraine-Krieg

Die diesjährige KOF Tourismusprognose zeichnet sich durch mehrere Sondereffekte aus. So hat die Omikronwelle die rasche Erholung des Tourismussektors im Winter gebremst. Derzeit führt der Ukraine-Krieg zu weniger Gästen aus Osteuropa. Zudem wird erwartet, dass sich die Abschwächung der Weltwirtschaft negativ auf die touristische Nachfrage auswirken wird. Trotz alledem wird sich die nach der Pandemie eingesetzte Erholung fortsetzen und zu Wachstum führen.

Tourismus

Die folgenden Trends wirken sich positiv bzw. negativ auf den Schweizer Tourismus aus:

Positiv:

  • Sommertourismus mit zuletzt positiven Indikatoren: Fernreisende aus wichtigen Märkten (insbesondere Vereinigtes Königreich, USA und Indien) kehren früher als erwartet zurück
  • KOF-Umfragen deuten auf positiven Trend bei ausländischen Gästen hin
  • Erholung von der Corona-Pandemie überlagert Rückgang durch andere Krisen-Effekte


Negativ:

  • Russische Gäste dürften auch mittelfristig weitgehend ausbleiben
  • Aufgrund der Zero-Covid-Politik in China wird in naher Zukunft nicht mit einer Rückkehr chinesischer Gäste gerechnet
  • Die europäischen Nachbarländer wurden leicht nach unten korrigiert. Es ist zu erwarten, dass die Folgen des Ukraine-Krieges die Wirtschaft schwächen und dass ein Teil der potenziellen Touristen ihren Urlaub ausfallen lassen wird.

Die Schweiz kommt im Vergleich am besten durch die Krise

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Im Laufe des Sommers 2021 haben sich die Besucherzahlen in den meisten Ländern wieder normalisiert. Jedoch bremste die Virusvariante Omikron eine vollständige Erholung im Winter.

Österreich, Deutschland und Italien hatten strengere Vorschriften und verlangten den Nachweis von Impfungen und Tests. In Frankreich war neben der Impfung oder einem Test kein weiterer Nachweis erforderlich, in der Schweiz galt keine Zertifikatspflicht, wodurch vermutlich die etwas höhere Zahl der Übernachtungen begünstigt wurde.

In der Schweiz sorgten vor allem inländische Gäste und Besucher aus Deutschland für Rekordzahlen. Dies, obwohl der Ausbruch der Omikron-Welle im Winter in vielen Gebieten zu einer verzögerten Erholung führte. Die Wintersaison zeigte sich vor allem aufgrund eines hohen Anteils an inländischen Gästen äusserst positiv.

Konjunkturumfrage - Rückkehr der Fernreisenden zu erwarten

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Die KOF-Konjunkturumfragen bestätigen den Trend, der sich in den letzten zwei Monaten abgezeichnet hat:

  • Die Fernreisemärkte scheinen sich zu erholen. Die ausländischen Gäste kehren stärker zurück als erwartet. Das zeigt sich in der deutlich positiven Erwartung der befragten Gastgewerbebetriebe für Buchungen ausländischer Gäste
  • Die Flugbewegungen an den Flughäfen Genf, Basel und Zürich stiegen zuletzt sehr stark an. So erreichten die Flughäfen im April dieses Jahres im Durchschnitt über 80% des Vorkrisenniveaus. Zum Vergleich: 2021 waren es im April noch knapp 40%.
  • Das Wachstum bei den inländischen Gästen ist etwas zurückgegangen. Dies ist auf das bereits bestehende hohe Niveau zurückzuführen.

Prognose Sommer – Fernmärkte beleben die Sommersaison

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Die KOF prognostiziert, dass die Zahl der Logiernächte in diesem Sommer ein Niveau von 91% im Vergleich zu vor der Krise erreichen wird. Das bedeutet, dass die Werte für die Sommersaison noch unter dem normalen Niveau liegen werden. Im Vergleich zum letzten Jahr ist dies jedoch eine Verbesserung. Vor allem der Frühsommer wird voraussichtlich deutlich besser ausfallen.

  • Die Zahl der Schweizer Gäste wird sich im Vergleich zu dem Rekordsommer 2021 etwas normalisieren. Planungssicherheit und offene Grenze dürften dazu führen, dass wieder vermehrt Auslandsreisen getätigt werden.
  • Die Logiernächte der Gäste aus den Nachbarländern werden im Sommer nahezu das Vorkrisenniveau erreichen. Ein Dämpfer dürfte die geschwächte Wirtschaftslage sein. Viele Gäste reagieren sensibel auf die wirtschaftlichen Unsicherheiten und ersetzen teure Ferien in der Schweiz durch günstigere Alternativen im Ausland oder weniger Übernachtungen in der Schweiz.
  • Die Fernmärkte werden sich stärker als erwartet stabilisieren. Besonders die Gästezahlen aus den USA und dem Vereinigten Königreich haben sich in den letzten Monaten kräftiger erholt als zunächst erwartet. Der Effekt wirkt besonders positiv, da beide Länder eine wichtige Rolle im Schweizer Tourismus einnehmen.

Prognose Winter – Erholung setzt sich fort

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Für die Wintersaison wird eine weitere Erholung prognostiziert. Im Allgemeinen dürfte das Niveau von 2019 fast erreicht werden (97%).

  • Langfristig wird mit einem Anstieg des Inlandtourismus gerechnet, der sich in den Wintermonaten überproportional zum Sommer auswirken wird. Die Gründe dafür sind eine leichte Verschiebung hin zu mehr Inlandtourismus und ein stabiles Bevölkerungswachstum.
  • Der Wintertourismus ist weniger preisempfindlich als der Sommertourismus. Europäische Gäste, die in der Vergangenheit den Winter in der Schweiz verbracht haben, dürften nicht allzu stark auf eine konjunkturelle Abschwächung reagieren. Die europäischen Gäste dürften sich auch deshalb nahe am Vorkrisenniveau bewegen.

Russland – Mittelfristig kaum Gäste zu erwarten

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In der Vergangenheit war Russland für die Schweizer Tourismusregionen sehr wichtig, insbesondere im Reisemonat Januar. Im Laufe der Jahre hat dies jedoch abgenommen.

Im Jahr 2014 verlor der Rubel dramatisch an Wert. Grund dafür waren der fallende Ölpreis und die vom Westen verhängten Sanktionen wegen der Rolle Moskaus im Ukraine-Konflikt. Mit dem Währungsfall ging auch die Zahl an Logiernächten russischer Touristen zurück. Während der Anteil der russischen Gäste an den Logiernächten in der Schweiz im Januar 2014 bei knapp 4% lag, waren es nach 2014 nur noch rund 2 %.

Langfristig ist demnach mit deutlich weniger Touristen aus Russland zu rechnen. Einreisebeschränkungen und der zu erwartende Rückgang des Rubelkurses werden den Tourismus zusätzlich einschränken.

Eine Zusammenfassung der KOF Tourismusprognose im Video:

Kontakt

Tim Reinicke

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  • +41 44 632 32 53

KOF FB Konjunktur
Leonhardstrasse 21
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Schweiz

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